Ingrid
In Partnerschaft mit eis.de
Möglicherweise ist es etwas merkwürdig, wenn man im Wartezimmer sitzt, einen hinreissenden Roman über Frauenliebe liest und plötzlich bemerkt, daß die interessant aussehende Frau mit den unglaublich langen lockigen Haaren, die sich gegenüber plaziert hat, plötzlich aufsteht, lächelt und sich auf den leeren Stuhl neben einen setzt. Es ist vielleicht paranoid, daß man das überhaupt registriert. Noch paranoider ist es allerdings, wenn einem die Vorstellung, diese Frau zu berühren, für einen Bruchteil einer Sekunde, großes Vergnügen bereitet. Wenn innerhalb weniger Augenblicke ein ganzer Film im Kopf abläuft, der die Handlung des Romans wie eine harmlose Geschichte über eine etwas intensivere Frauenfreundschaft erscheinen lässt.
Und das erinnert mich dann. An die einzige Frau, die ich mal geliebt habe, wie ich sonst nur Männer lieben könnte. Und die mich genauso liebte. Dann sticht es ein bißchen in der Herzgegend, weil ich sie schon vor langer Zeit unwiederbringlich verloren habe.
Sie hieß Ingrid. Und sah einer Ingrid kein bißchen ähnlich. Ihre Haare waren schwarz, ihre Augen braun, ihre Haut aber ganz weiß und unglaublich rein. sie war groß und sehr schlank. Nicht zierlich, eher robust. Und die Figur hatte sie auch nur durch eine radikale Essensverweigerung. Es dauerte Jahre, bis sie mir soweit vertraute, um von einer Essstörung, ja von Magersucht zu sprechen. Brüste hatte sie kaum, sie war fast ganz flach und litt darunter. Sie beneidete mich um mein Dekollete, um meinen großen Busen, um meine durchscheinende Haut. Sie fuhr mit der Fingerspitze über eine bläulich schimmernde Ader, die sich quer über meinen Ausschnitt bis zum Hals durchzog und sagte: “Ich liebe Deine blasse Haut, es ist so schön, wenn man die Adern sieht.” Ich empfand es bis dahin als Makel, umso entzückter war ich über dieses Kompliment.
Ingrid lebte mit einem Mann zusammen. Wir hätten uns wohl beide als rein heterosexuell definiert. Zumindest bis wir uns über den Weg liefen. Und auch bei unserer ersten Begegnung deutete nichts auf eine kommende intensive Freundschaft hin. Ingrid hasste nämlich alle Menschen. Und mich nahm sie anfangs davon nicht aus. Als ich sie das erste Mal sah dachte ich dagegen, daß ich die schönste Frau vor mir hätte, die ich jemals gesehen habe. Ihre langen schwarzen Wimpern, die stupsige Himmelfahrtsnase, die roten Bäckchen, die sie bei der geringsten Anstrengung bekam (und hasste). Alle Männerköpfe drehten sich, wenn Ingrid durch die Straße lief. Sie war ein Hingucker. Und was für einer.
Umso befremdlicher für die meisten, daß sich Ingrid wie ein kaltherziger Misanthrop gebärdete und kaum eine Gelegenheit ausließ, um die Mitmenschen zu drangsalieren. Ich ahnte bereits bei unserer ersten Begegnung, daß sie dahinter nur ihre Unsicherheit verbarg. Genaugenommen mochte ich sie bereits, als sie mich das erste mal gnadenlos anfuhr. Ich verstand einfach.
Wir arbeiteten zusammen. Ich war nur eine Aushilfe, sie war die Festangestellte. Und ließ mich das spüren. Es dauerte wohl fast ein Jahr, bis wir ganz zarte Freundschaftsbande knüpften. Wir verabredeten uns abends in ein Cafe. Und da sah ich Ingrid zum ersten Mal genau so, wie sie war. Sie trug einen viel zu großen Pullover, die Ärmel waren aufgeschlagen, er hing wie ein Sack an ihr. So saß sie in einer schmierigen Eckbank irgendeiner Studentenkneipe und wirkte wie ein ängstliches, verhuschtes Kind, das man in viel zu weite Klamotten gesteckt hat. Und genaugenommen war sie das auch. Sie war damals erst 19. Jeder Außenstehende hielt sie mindestens für 25, wohl wegen der Schminke und ihrem radikalen Auftreten. Mich überraschte die Enthüllung über ihr Alter aber eigentlich nicht. Da hatte ich ein Mädchen vor mir und ich konnte in ihrem Gesicht lesen, daß es für all die Gemeinheiten, den Hass, die Verzweiflung hinreichend und tiefe Gründe geben musste. Ich erfuhr erst viel viel später, welche Gründe das waren. Aber es spielt keine Rolle. Manche Menschen müssen sich einem nicht offenbaren. Und ich habe sie nie irgendwas gefragt. Sie erzählte mir, was sie erzählen wollte und wozu sie bereit war. Mit jedem Jahr wuchs die Anzahl der Geschichten und Erinnerungen. Und ich wertete das als Vertrauensbeweis.
Ich war wohl der einzige Mensch, der zu Ingrid ehrlich war. Und auch sein durfte. Sie ließ es zu, daß ich ihr die Meinung sagte. Daß ich ihr Verhalten kritisierte. Ich machte sie ein bißchen “weicher”. Zumindest bildete ich mir das damals ein.
Sie freute sich, daß ich sie für intelligent hielt. Das tue ich auch heute noch. Von Anfang an erschien sie mir wie ein Kleinod, ein roher Diamant, interessiert, belesen, eigentlich sogar intellektuell und in dieser dämlichen Ausbeuterklitsche, in der wir arbeiteten, völlig deplaziert. Ich redete auf sie ein. Ich bat sie, das Abitur nachzuholen. Sie fürchtete sich davor. ich wusste aber, daß sie es mit Leichtigkeit schaffen könnte. Und das tat sie. Und sie studierte sogar. Ich war wirklich stolz auf sie. Unglaublich stolz.
Ingrid und ich, wir waren uns in einer Hinsicht auch sehr ähnlich. Und anders, als die anderen Frauen. Zumindest die, die wir kannten. Wir hassten Romantik, wir liebten wilden Sex und zu unserer dreckigen Perversität kam auch der gleiche trockene und versaute Humor. Wir sprachen alles aus. Es gab keine Tabus.
1
Ich frage mich manchmal, wann mir eigentlich klar wurde, daß ich für Ingrid mehr empfand. War es jener Moment, als eine unserer Scharaden mit einem zarten Kuss auf die Wange endete? Deuteten die wilden Träume weit vorher schon darauf hin? Vielleicht drang es mir aber auch erst dann mit aller Härte und Grausamkeit ins Bewußtsein, als ich sie schon längst verloren hatte.
Leidenschaft und Begehren sind nicht zwangsläufig Begleiterscheinungen von Liebe. Von geschlechtlicher Liebe genausowenig wie von gleichgeschlechtlicher Liebe.
Ich liebte Ingrid zunächst ganz so, wie man eine Freundin liebt. Oder so, wie ich Freunde zu lieben pflege. Mit Distanz. Ich bin weder gesellig noch aufdringlich. Ich brauche nicht den täglichen Kontakt mit Menschen um das Gefühl zu haben, lebendig zu sein. In meiner Naivität erwarte ich das auch von den Menschen, die mich umgeben. Vermutlich ist daher die Zahl meiner Freunde sehr begrenzt. Und war es immer. Ingrid war mir in dieser Hinsicht ähnlich, wenn auch ihre Motive ganz anderer Natur waren. Für sie war die Distanz im alltäglichen Leben (denn sie bezog sich nicht nur auf die Freundschaften) eine Notwendigkeit. Sie verbarg etwas, das sie selbst gar nicht in Worte fassen konnte. Wenn man sich die Mühe gemacht hätte, hätte man es sofort sehen können. Es scheint ein Paradoxon zu sein, daß Menschen, die großen Schmerz zu verbergen suchen, sich ganz offensichtliche Wunden zufügen, die einem aufmerksamen Beobachter geradezu in die Augen springen.
Ingrid erinnerte mich bisweilen an ein edles Tier. Das klingt etwas pathetisch, trifft es aber ganz gut. Einen schwarzen Jagdhund mit seidigem Fell vielleicht. In den Momenten, in denen sie Härte zeigte, weil sie bedrohliche Nähe spürte, straffte sich ihr ganzer Körper, ihre Nasenflügel blähten sich auf, ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. Ich sehe sie direkt vor mir. Wie die erstaunlichen Muskeln sich unter der Haut hervorheben, wie die Hände zu Fäuste geballt ganz weiß werden, wie sie tief Luft holt.
Ich hatte die Gabe, sie mit einem Wort, nein, mit einem Blick zu beruhigen. Und manchmal schien sie direkt belustigt darüber zu sein. Es gefiel ihr, daß ich Dominanz ausübte, ohne ihr das Gefühl zu geben, ihr überlegen zu sein. Und das war ich auch nicht. War ich nie.
Nach diesem ersten gemeinsamen Abend waren wir nicht etwa befreundet. Wir kamen miteinander aus. Oder, besser gesagt, sie kam mit mir aus. Sie duldete mich. Ich muss zugeben, daß ich seit jeher eine Schwäche für wirklich schöne Frauen haben. Ich empfinde ihnen gegenüber keinen Neid. Vielleicht stille Bewunderung. Manchmal sogar eher Mitleid. Ingrid hübsch zu nenne wäre denn auch ein Sakrileg gewesen. Sie war von klassischer Schönheit und die Maler aller Jahrhunderte hätten sich darum gerissen, sie portraitieren zu dürfen. Es wäre oberflächlich zu sagen, daß ich sie aus diesem Grund mochte. Und falsch dazu. Da war etwas anderes, eine Art Verstehen und Zuneigung. Nüchtern betrachtet und in Anlehnung an die Tieranalogie vielleicht sogar so etwas wie ein wissenschaftliches Interesse. Wie bei Professor Higgings und Eliza. Die Menschen in meinem Umfeld hatten kein Verständnis dafür. Sie sahen in ihr das gemeine Biest, die bösartige Kreatur, die mit einem widerwärtigen Grinsen anderen (und mir) sämtliche Schwächen vor Augen hielt und sich über das Entsetzen, die Sprachlosigkeit, die sie auslöste, amüsieren konnte.
Wir trafen uns selten außerhalb der Arbeit. Und auch dann taten wir alles, um nur keine Nähe aufkommen zu lassen. Sie durch ihre kleinen Gemeinheiten, ich aus Respekt vor Ihren Motiven. Es war jener verhängnisvolle Abend, an dem sich unsere Freundschaft verfestigte. Ausgerechnet, denn an diesem Abend lernte ich einen Mann kennen, in den ich mich verliebte. Wir waren noch tagsüber in der Arbeit ausgelassener als sonst. Ingrid war zugänglich und erstaunlich fröhlich. Weniger mißmutig ist vielleicht treffender. So beschlossen wir spontan, den Abend mit reichlich Alkohol und Männern ausklingen zu lassen. Daß wir beide eine perverse Neigung hatten und einen ausschweifenden Lebenswandel führten, habe ich ja schon erwähnt. Und ich bezog mich dabei nicht auf Ingrid und mich.
Wir nahmen, was wir erobern konnten. Wir genossen, ließen fallen und rollten die Augen, wenn wieder einmal ein Kerl nicht begreifen konnte, daß er lediglich für eine Nacht von Interesse und im wahrsten Sinne das Objekt der Begierde war. Schon an jenem Abend begannen wir, uns anzufunkeln, uns anzufassen und zu streicheln. Die Aufmerksamkeit, die wir dadurch erregten, belustigte uns. Mit jugendlicher Arroganz lachten wir über die Kerle, die uns anstierten. Diese Einfachheit, mit der man einen Mann dazu bringt, zumindest für einen Abend all das zu tun, was man von ihm verlangt. Und das, ohne ihm das Gefühl zu geben, man hätte ihn völlig in der Hand. Es ist so leicht, wenn man weiß, wie es geht. Wir benutzten die Männer und ihre Gefühle. Ich denke (und dachte es damals schon), daß das eine Art von Rache war. Ingrid war nämlich nicht die einzige mit einer verschwiegenen Vergangenheit. Ich hatte auch Gründe, ein ganzes Geschlecht zu verurteilen. Nur hat mich nie jemand danach gefragt.
Ich verurteile mein Verhalten von damals nicht. Ich heiße es aber auch nicht gut. Für mich war es eine Katharsis. Eine Reinigung, die ich genauso brauchte wie Ingrid. Sie war die Initialzündung. Und Jahre später auch die Ursache für meine Veränderung.
2
Ingrid würde es gefallen, daß ich hier über sie schreibe. Sie mochte meine Art zu schreiben, sie mochte meine E-Mails. Meine Liebesbriefe wollte sie jedoch nicht lesen. Trotz aller Neugier und meines Vertrauens. Ich druckte sie bei ihr aus, legte sie vor sie hin und sagte, sie könne sie lesen. Ihre Hand strich über den enormen Stapel (es waren sicher an die 100 Seiten), dann lächelte sie auf ihre Art, ein bißchen verschämt, ein bißchen verschmitzt und schüttelte den Kopf. Ein schlichtes Nein. Habe ich ihr damit weh getan? Ich weiß es nicht. Aber ich verstehe heute, warum sie die Briefe nicht lesen wollte. Sie waren ja nicht an sie gerichtet.
Es dauerte fünf Jahre, bis ich das erste Mal Ingrids Wohnung betreten durfte. Das geschah auch nur ein einziges Mal und dann nie wieder. Sie wohnte im letzten Haus der Straße, die aus unserer Stadt in Richtung Neckartal führt. In einem düsteren alten Kasten, der ein Stück weit oberhalb der Uferpromenade thronte. Eigentlich eine Prachtstraße mit den teuersten Grundstücken und den feudalsten Wohnsitzen, die diese Stadt zu bieten hat. Aber jenes Haus, in dem Ingrid nichts weiter als ein schäbiges Dachzimmer bewohnte, gehörte nicht mehr zu den augenschmeichelnden Villen mit den gepflegten Gärten, vor denen die Touristen stehen bleiben, um sie zu fotografieren.
Hätte das Haus eine Seele gehabt, sie wäre schwarz gewesen. Ingrid würde über diesen Satz lachen und mir ganz gewiss zustimmen. Alles an diesem Haus war dunkel. Der bröckelnde Putz, die schwarzen Fensterrahmen, sogar die Bäume im Garten, dunkles Nadelgehölz, ruppige, rostfarbene Dornenhecken und Steine, die mit Flechten überzogen waren. Vielleicht übertreibe ich ein bißchen. Möglich, daß ich wirklich dieses Haus mit Ingrid gleichsetze. Wobei es einen entscheidenden Unterschied gab. Ingrids Fassade war düster. Sie kleidete sich fast ausschließlich schwarz (tatsächlich hab ich sie nur einmal mit einem farbigen Kleidungsstück gesehen und daß war an dem Abend, als wir uns das erste Mal verabredeten) und setzte alles daran, ihre Schönheit zu verbergen. Aber bei Ingrid war es eben nur die Fassade. Im Haus hingegen wirkte sich die Dunkelheit fort, kroch durch die Flure und Ritzen, ließ jeden Winkel klamm und unheimlich erscheinen. Feucht und kalt zu jeder Jahreszeit lockte es zahlreiche Spinnen an. Möglich, daß sie auch durch Ingrid angelockt wurden. (Ich erinnere mich, daß sie in jeder ihrer Behausungen von einer Spinnenplage heimgesucht wurde.)
Ingrids Wohnung glich einer Höhle. Sie war ihre Zuflucht und wirkte auf außenstehende regelrecht abstoßend. Ich vermute, daß war gewollt. Es war der erste intime Blick, den ich auf sie werfen durfte und ich konnte fühlen, daß es ihr unangenehm war. Die Wände hatte sie mit schwarzen Tüchern verhangen, die Möbel waren aus dunkelbraunem Holz, sogar die Couch war braunschwarz. Der Tisch hatte eine rauchige Glasplatte, darauf stand eine schwarze Kerze. Der Raum war so leer und trotzdem fühlte man sich direkt panisch beengt. Nichts in diesem Raum war schön, mit Ausnahme von Ingrid, die sich vermutlich selbst als das hässlichste Stück Inventar bezeichnet hätte.
Ich weiß nicht mehr, ob es tatsächlich dieser Tag meines ersten Besuchs war, als sie Geburtstag hatte und als alles begann. Vermutlich nicht. Ingrid war da ja schon mit Simon liiert und meine Beziehung war zerbrochen. Aber es muss zu dieser Zeit gewesen sein. Meine Haare waren schon blond. Ein Umstand, den Ingrid mir nicht verzeihen und über den sie sich stets lächelnd aufregen konnte.
Seit unserer ersten Verabredung waren bereits 5 Jahre vergangen. Ich arbeitete seit kurzer Zeit nicht mehr in dieser schmierigen kleinen Klitsche. Ingrids Beziehung mit Simon lief eine Weile, und, bei weitem wichtiger, sie lief einigermaßen glücklich. Die beiden fanden auf ganz typischen Weg zueinander. Typisch für Ingrid. Beide waren abends in einem Club, alleine und genervt. Ingrid stand in ihrer hochmütigen, eiskalten und gnadenlosen Art in einer Ecke und ihre Haltung allein ließ keinen Zweifel aufkommen, daß jeder, der sich auch nur bis auf einen halben Meter nähert, einen grausamen Tod sterben würde. Das ist nicht übertrieben. Wirklich, ich habe es dutzende Male beobachten können. Die fassungslosen Gesichter der Männer, die nicht glauben konnten, daß so ein schöner Mensch zu solchen Gemeinheiten fähig war. Ich habe sie gesehen, diese Männer, deren Weltbild, Lebensauffassung und Selbsteinschätzung von Ingrid mit einem Lächeln genießerisch zerstört wurden.
Und dann kam Simon. Ich sah damals schon in ihm den Ritter in weißer Rüstung, der zu seiner Herzensdame auf einem weißen Roß galoppiert und sie von einem bösen Fluch befreit. Er sah natürlich kein bißchen aus wie ein weißer Ritter. Er war hager, groß, blond und wesentlich älter als Ingrid. Seine Art sich zu bewegen, seine Mimik und wie er sprach, erinnerte mich auch eher an Klinsmann. (Sagen durfte ich das natürlich nie, Ingrid hätte mich vermutlich umgebracht). Aber die Ritteranalogie hätte (zumindest zu dieser Zeit) Ingrids Zustimmung gefunden. Da bin ich mir sicher.
An diesem Abend jedenfalls sah er Ingrid da stehen, ihre ganze Haltung einzig Ablehnung. Es ging ihm schlecht und er dachte bei sich, warum versuche ich es nicht bei ihr, eine Abfuhr käme mir heute gerade recht. Ich weiß natürlich nicht wirklich, was er dachte. Er erzählte es so. Er hätte nichts mehr zu verlieren gehabt, so drückte er sich aus. Also sprach er sie an.
Ich mochte Simon. Er war ruhig und gelassen. Er wusste mit Ingrid umzugehen ohne sie zu sehr zu verletzen und ohne ihr die Gelegenheit zu geben, ihn zu verletzen. Ich weiß eigentlich nicht, ob die Sympathie, die ich für ihn empfand, auf Gegenseitigkeit beruhte. Er schien nchts dagegen zu haben, wenn wir etwas zu dritt unternahmen. Und das geschah sehr häufig. Wie eben jene Einladung zu Ingrids Geburtstag. Ich war zu dieser Zeit sehr unglücklich. Mein Freund, die Liebe meines Lebens wie ich glaubte, hatte mich betrogen und ich war unfähig, das in irgendeiner Form zu verarbeiten. Ich war paralysiert. Fassungslos. Hilflos. Ingrid holte mich aus dieser Verzweiflung heraus.
Wir tranken ein paar Cocktails in einer Bar, unterhielten und amüsierten uns. Ich weiß nicht genau, wie es gekommen ist, aber ein paar Stunden später saßen wir bei einem bekannten Pärchen in einer gigantischen Jugendstilwohnung mitten in der Altstadt und feierten dort irgendetwas (nicht Ingrids Geburtstag, das weiß ich genau). War Simon da noch dabei? Ich kann es nicht genau sagen. Ich hatte nur Augen für Ingrid. Wir saßen nebeneinander, berührten uns unentwegt und hauchten uns Küsse auf die Wange. Anfangs war das ein Spiel, aus Langweile und weil uns die Personen im Raum auf die Nerven fielen. Aber es wurde immer intensiver und inniger und die Nervosität im Raum stieg. Irgendetwas ungreifbares geschah und alle schienen es zu merken. Warum kann ich mich nur nicht an Simons Reaktion erinnern. War er wirklich nicht mehr mit dabei oder blendete ich ihn aus? Ich weiß noch, wie ruhig es plötzlich war. Wie einer der Anwesenden unsichere Witze über uns riss. Seine Freundin in tölpelhafter Dummheit fragte: Seid Ihr ein Lesbenpaar? Und wir darauf nur mit einem Ja, siehst Du das nicht? antworten konnten. Es war nicht ernst gemeint. Aber in diesem Moment verliebte ich mich wohl.
(…)














November 6th, 2007 at 12:36
Boah… ohhhhhh die Katja könnte mit solchen Roman(en) ja sogar richtig $ verdienen
Dann müsste die nicht so oft arbeiten gehen und wir hätten mehr von Ihr….
Also die Idee wird ja immer Besser
Nein mal im Ernst. Toller emotionaler Text der richtig unter die Haut geht….
Danke dafür und mach weiter
mfg,
Daniel
ps und werde gesund. Ich brauche mehr
November 25th, 2007 at 3:03
wow, Gratulation. Das ist die erste Story auf einem deutschsprachigen Blog, die ich uneingenschränkt großartig finde… pls mehr davon.
November 25th, 2007 at 7:05
*bekomme den Mund nicht zu…* Da ist sie… wie sie schreibt… das ist meine alte Katja aus jener Winterzeit- die Katja, die mich mit jedem “Sie haben Post” mit einer Gänsehaut behaftet hat- die, mit der ich zu nahezu jedem schüchternen Telefonat einen Ort zuordne und an die ich so oft denken muß- diese unglaubliche Verbindung aus Tiefsinn, Oberfläche, Mystik, Sex, Liebe und Spass…
Was ein Text, DANKE*
Januar 12th, 2008 at 12:13
Ist nicht so mein Thema, aber: wirklich, wirklich, wirklich gut geschrieben. Sie sollte an eine Karriere als Autorin denken. Schreiben können ist dafür zwar keine Voraussetzung, aber bisweilen hilft es tatsächlich ;-)
Januar 20th, 2008 at 2:53
Ein wunderbare erotische Geschichte.
The Logger
Februar 25th, 2008 at 7:04
wow, kompliment, großartige beschreibungen…
Mai 12th, 2008 at 20:35
sechs-setzen!!
nein im ernst…extrem klasse geschrieben,alle achtung!!
bitte mehr davon
glg,heike
Juli 1st, 2008 at 19:55
Hey
gute geschichte hast du hier ist sehr gut geschrieben.
Könntest du mir bitte eine Mail schreiben, wenn eine Fortsetzung kommt.
mfG Max
Juli 5th, 2008 at 20:47
Eine wundervolle Geschichte, ich würde gern eine Fortsetzung lesen.
August 14th, 2008 at 22:27
[…] ein Grund, weshalb Ingrid, die ja allzeit von einem theatralischen Freitod träumte, ihre Dildosammlung (schwarz) eines […]
Oktober 12th, 2008 at 12:12
[…] Ingrid […]