Vom Sex in der Musik (und was das mit Stricknadeln und Wollknäueln zu tun hat)
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Written By: Julia
Dass Musik böse ist, weil dort Sex vermittelt wird bzw. die Hörer dazu ermuntert werden, ist schon seit über 50 Jahren eine bekannte Tatsache. Seit Elvis seine Hüften schwang und die Jugend verwirrte, gibt es kein Zurück mehr und mittlerweile gibt es sogar Songs, die das kompromittierende Wort Sex gleich im Titel führen. Und mit einer Auswahl dieser Titel wollen wir uns heute beschäftigen und eine kleine Analyse bzgl. verschiedener Eigenschaften durchführen.

Da ich aber davon ausgehe, dass die Leser dieses Blogs mindestens genauso interessiert an Strickmustern, Randmaschen und Nadellehren sind, werden die Songs mit “Punkten” bewertet, d.h. mit Stricknadeln oder Wollknäueln (s. rechts und links). Je mehr Sex ein Song enthält, desto mehr Nadeln wird er ernten und je abtörnender ein Song ist, desto knäueliger wird es.
Alles klar soweit? Wer jetzt völlig irritiert aus der Wäsche bzw. aus dem Gestrick guckt, der muss Konnas Blogjulklapp die Schuld geben, denn gerade lest Ihr, werte Blondes-Alien-erwartende-Leser, einen Gastbeitrag von einem Wesen namens Julia, das sich sonst anderswo rumtreibt. Doch bevor sich die Alter Ego-Eigenschaft von Katja (= Reden über mich in der dritten Person) sich manifestieren kann, fange ich lieber mit dem Musik testen an.
- Die Ärzte - Sex Me Baby (Anhören)

Vielversprechender Text, auch wenn Politik- und Gesellschaftskritik vielleicht etwas unerwartet daherkommen. Doch die geile Stimme von Bela B. kann natürlich nichts verunstalten und alle wälzen sich hemmungslos mit dem Schäferhund im Bett/im Heu/auf dem Küchentisch. - The Beatles - Sexy Sadie

Titel und Gesang (John Lennon) sprechen sehr für eine gute Hintergrundberieselung während es hoch her geht. Doch wenn man weiß, dass es hier um den Maharishi Mahesh Yogi geht, der angeblich einer jungen Dame Avancen machte, dann zerstört das doch recht schnell die Stimmung (Text, Info). - Billy Bragg - Sexuality (Anhören)

Auch wenn Billy mal wieder etwas nuschelt, so kann ein Song gegen Homophobie doch nie verkehrt sein. Textlich könnte man es für unsere Zwecke als “Thema verfehlt” interpretieren, doch warum seine Sicht so einschränken?! - British Sea Power - The Smallest Church In Sussex


Öhm, falscher Alarm! Neben dem völlig unsexyischen Titel kommt noch die eher etwas depressive Stimmung bei BSP hinzu. Ne, so wird dat nüscht! Obwohl! Könnte evtl. bei seltsamen Fetischen Verwendung finden. Da müsste Katja dann mal was zu sagen. - Green Day - Blood, Sex, and Booze

Auf einen S&M-Song hat die Welt noch gewartet und wir heulen gemeinsam auf im Schmerz und schreien den Text mit im Takt der Schläge. Wäre sicher der Hit bei jeder entsprechenden Party. - Gun Club - Sex Beat (Anhören)


Ein nicht durchgehend schlüssiger Text, doch wenn aufgefordert wird, sich im Sex Beat zu bewegen, dann wollen wir da mal schnell Folge leisten. Yeah, Baby! - Hot Chocolate - You Sexy Thing (Anhören)

Jau, endlich mal eine ordentliche Würdigung eines One Night Stands. Text, Melodie, Instrumentierung und Stimme sind perfekt abgestimmt und wer das bei einer Party per übergestülptem Kopfhörer eingeflößt bekommt (wir denken an La Boum), wird sicher nicht widerstehen. - Stereophonics - You Sexy Thing (Anhören)


Noch besser als das Original, da Kelly Jones einfach eine unschlagbar sexy Stimme hat. Einfach mal im Auto in voller Lautstärke hören und sehen, was passiert! (Bitte darauf achten, wer sich in Hörweite befindet.) - Ian Dury - Sex & Drugs & Rock & Roll (Anhören)
Bei dem Text könnte evtl. Sehnsucht aufkommen, was für ein wahnsinnig tolles Leben die Rockstars doch haben. Der Ian bringt das auch ziemlich überzeugend rüber, davon abgesehen, dass ihn schon das Zeitliche gesegnet hat. - Jeffrey Lewis - The Chelsea Hotel Oral Sex Song (Anhören)
Bei dem Titel kann ja nur eine tolle Anleitung drinstecken, oder?! Leider nicht ganz, denn in diesem Sieben-Minuten-Brummer (der live unglaublich witzig rüberkommt, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann), berichtet Jeff in monotonem Singsang wie es gerade nicht zum Oralsex im Chelsea Hotel kam. Potential sehe ich hier, bei einer Wette über das Auswendiglernen des Textes und entsprechendem Wetteinsatz. - k.d. lang - Sexuality


Nicht verwandt mit obigem Song gleichen Namens und auch wesentlich lasziver hingehaucht und somit geeigneter für unsere Zwecke (Text). Kann es noch deutlicher werden als unleash your sexuality on me? - Kings Of Leon - Sex On Fire (Video)



Unangefochtener König dieser Liste mit einem Blow Job während des Fahrens (Text). Laut manchen Kritikern auch über Geschlechtskrankheiten und außerdem unter Einfluss von Schmerzmitteln geschrieben, doch das soll uns hier nicht weiter stören. Den Song auf Dauerrotation stellen und das Abendprogramm sollte gerettet sein. Natürlich sollte man darauf achten, wer noch im Raum ist… - Marcy Playground - Sex and Candy (Anhören)


Textlich hält der Song leider nicht, was der Titel verspricht, doch die unglaublich Stimme reißt das alles wieder raus. Wer da nicht schon beim Hören die nächste erreichbare Person bespringt, dem ist nicht mehr zu helfen. - Marvin Gaye - Sexual Healing

Aber hallo! Dass Marvin grundsätzlich und überhaupt zu hören gehört, wissen wir spätestens seit High Fidelity. Und bei dem herrlich eindeutig zweideutigen Text - Baby, I’m hot like an oven - erwacht die innere Krankenschwester und es wird geheilt was das Zeug hält. - Robbie Williams - Sexed Up
An sich ist am Herrn Williams wenig auszusetzen, doch hier will er die Beziehung mit einer dummen Nuss beenden und da kommt sicherlich wenig Stimmung auf (Text). Kann man aber auch missverstehen, wie z.B. eine Radiohöherin, die sich das für ihren Freund gewünscht hat, weil sie “ihn so lieb hat”. Ob diese Beziehung auch mal aufgesext wurde?! - Rod Stewart - Da Ya Think I’m Sexy?

Gefährliches Terrain, denn ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung graust sich vor Rod. Doch wer sich darauf einlässt, kann mit diesem Text und der Reibeisenstimme möglicherweise einen guten Fang machen. Von wegen Mittel zum Zweck und so. - Rosenstolz - Sex im Hotel
Kommen wir also zur deutschen Fraktion der Sex-Songs. Da klingt das doch alles ein bisschen profaner als auf fremdländisch und auch wenn das hier theoretisch verlockend klingt, so wirkt es doch zu grell. - Westernhagen - Sexy

Schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und mittlerweile hat die Waffe ohne Waffenschein ihren Reiz verloren. Selbst der Anblick von MMW im Stirb Langsam-Look hat eher gegenteilige Wirkung und somit kann der deutschsprachigen Fraktion nur völliges Versagen attestiert werden.
Na, da sind doch einige gute Vorschläge dabei, oder? Bei der nächsten Gelegenheit sollte also kein Mangel an entsprechender Musikuntermalung herrschen - was auch immer diese Gelegenheit sein sollte.
Bilder von mararie, moonrat42 und moonrat42
Tags: 49suns, Alien, Geil, juliaL49, Julklapp, Katja, Liebe, Musik, Sex, Wichteln

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Dezember 13th, 2008 at 17:34
Ha, eine sehr lustige Idee! Aber Westernhagen ist eigentlich toll, aber ich stimme zu, “Sexy” ist definitiv einer der schwächeren Songs von ihm.
Dezember 13th, 2008 at 20:28
Liebe Julia, vielen Dank für den tollen Beitrag. Mein absoluter Sex-Song-Favorit ever ist übrigens Serge Gainsbourgs und Jane Birkins Ficklied Je t’aime. Allein schon, daß es den Vatikan auf die Barrikaden brachte, finde ich wunderbar. Nur daß es jetzt als ungehörter Stöhnhintergrund in klischeemäßiger Aufbereitung von Bordellfantasien verkommt, ist eigentlich schade. Wo es doch solches Potential hat…
Und die schönen Gerüchte, die sich darum ranken… Hat sie bzw. ist sie oder ist sie nicht? Ist sie vielleicht die Sally der 60er Jahre? Und wer kann besser stöhnen? Die Birkin oder die Bardot?
Als Hintergrundsmelodie zum Geschlechtsakt taugt es freilich nicht. Man stelle sich das vor… quasi ein auraler Dreier.. nä, und am Ende stöhnt die lauter als ich, geht gar nicht!
Dezember 13th, 2008 at 21:42
Im Gegensatz zu dir könnte man aber die Birkin leiser drehen.

Den Song haben wir übrigens mal im Musikunterricht besprochen.
Dezember 14th, 2008 at 9:43
Konna, ich finde Westernhagen hat sich irgendwie selbst überlebt. Fand ich früher ganz gut, aber mittlerweile nicht mehr
Katja, skandalträchtige Songs gibt es nun wie Sand am Meer (und auch ganze Webseiten die sich damit beschäftigen, wann wo aus welchem Grund welcher Song auf welche Weise verboten war). Doch der Serge wäre nie in meine Liste gekommen, da ja kein Sex im Titel vorkommt. (ja, da gibt es noch Hunderte, aber ich musste ja Songs nehmen, die ich auch kenne)
Da fällt mir ein: ich wollte auf eine Liste mit den besten Onaniesongs verweisen, das habe ich leider verpeilt.
Dezember 14th, 2008 at 14:47
@juliaL49

Wie z. B. “Onanie, Onana” von den Beatles ?
Schade… gerade diese Liste hätte ich jetzt dringend gebraucht…
Dezember 14th, 2008 at 14:55
Gucky, ich habs gefunden: http://www.thefrisky.com/post/.....self-love/
Auch bei songfacts gibt es eine eigene Kategorie: http://www.songfacts.com/categ.....bation.php
Einen schönen 3. Advent
Dezember 15th, 2008 at 8:34
Da Französich meiner Meinung nach eine völlig furchtbare Sprache ist hat “Schö täme” bei mir eher die gegenteilige Wirkung… Bäh… Abgesehen davon, dass ich mit so Fahrstuhlgedudel eh nix anfangen kann.
Vom Stöhnen her ungeschlagen ist sowieso “Pleasure Slave” von Manowar, das Lieblingslied von Alice Schwarzer.
Passt nur hier nicht, weil kein Sex im Titel.
Genau wie “Protege moi” von Placebo, was n Video, jungejunge…
Oder “Fucking an Animal” von GWAR! Die Götter der humorvollen Erotik!
Aber ich schweife ab…
Dezember 17th, 2008 at 10:30
Hot Chocolate - You Sexy Thing
Mein Favorit!
Dezember 18th, 2008 at 2:24
Mein Favourit ist definitiv “Sex and Candy”. Bin vor einem Jahr per Zufall auf den Titel gestossen und habe in damals eine Zeit lang rauf und runter gehört.
August 26th, 2009 at 7:24
Hot Chocolate - You Sexy Thing
Eine echte Klassik!
Super Song!