Lehrreiche Hexenverbrennung

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Written By: Katja

Es war noch in meiner alten Schule, im tiefsten Ostbayern mit seinen kalten Wintern und windigen Sommern. Vom Klassenzimmer aus konnte man die Gipfel des Bayrischen Walds sehen, Arber, Osser und wie sie alle heißen. Skifahren konnte man noch bevor man zum ersten Mal ein Rad bestieg und im Sommer badete man bei unendlich heißen 25 Grad.

Wir liefen auf dem zugefrorenen Teichen und Flüssen Schlittschuh und rodelten verschneite Hänge hinab. Trotz dicker Handschuhe taten die Finger weh, so bald man wieder in die Wärme kam.Temperaturen von -15 Grad waren üblich und man fror leidlich.

Meine Schule lag in einem Ort, den Bernhard Wicki in den 50er Jahren zum Schauplatz seines Films “Die Brücke” machte. Mein Sportlehrer hatte eine Statistenrolle.

Ein Landgymnasium. Eines von zweien. Am Berg das naturwissenschaftliche, in der Ebene das humanistische. Ich besuchte letzteres. Beschaulich war der Schulalltag. Konservativ und konform. Der Tag begann und endete mit dem Schulgebet, Konfessionslosigkeit gab es ebensowenig wie Direktoren ohne passendes Parteibuch.

Als ich die siebte Klasse besuchte, wirkte ich (mit mäßigem Talent und noch weniger Erfolg) in der Schultheatergruppe mit. Wir führten ein Stück auf, das die Leiter der Gruppe geschrieben hatten. Ich weiß ihre Namen nicht mehr, kann mich aber erinnern, daß mir einer der beiden Jahre später besoffen über den Weg lief und mir unmoralische Avancen machte.

Kritisch und modern sollte das Stück sein, zum Nachdenken anregen und zeigen, wie verfangen wir noch immer, Jahre nach den Hexenverfolgungen und -verbrennungen, in Vorurteilen und Klischeegedanken sind. Der Plot handelte von einer Frau im 16. Jahrhundert, die in die Fänge der Inquisition gelangt und schließlich verurteilt und verbrannt wird. Zum Abschluss des Stücks lief Konstantin Weckers Hexeneinmaleins und wir marschierten dazu mit Stabplakaten auf die Bühne. Auf jedem Plakat stand das Wort Hexe in einer anderen Sprachen. Wir reihten uns auf und auf ein bestimmtes Zeichen rissen wir die Hexennamen vom Plakat und darunter erschienen diejenigen Randgruppen, die den Diskriminierungen der Zeiten ausgesetzt waren und sind.

So weit, so gut. Doch in einem ostbayrischen Landgymnasium mit CSU-Direktor konnte das nur zu einem Eklat führen. Stein, bzw. Schild des Anstoßes war dasjenige, mit der Aufschrift “Schwule”. Dieses Schild musste entfernt werden. Zensur nach Direktorenerlass.

Das Stück, reichlich plakativ und mittelmäßig gut, wurde somit zu einer lehrreichen, selbsterfüllenden Prophezeiung. Manchmal lernt man in der Schule eben doch für’s Leben.

Hexenbild via flickr.com.

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5 Kommentare zu “Lehrreiche Hexenverbrennung”

  1. Kommentar #1 kommt von: Lifecheater

    Das Wort “Schwule” wurde zensiert? Wieso? Damit die Kinder nicht aufhören Schwule zu diskriminieren?

  2. Kommentar #2 kommt von: sanja

    hardcore. die welt ändert sich nicht so schnell

  3. Kommentar #3 kommt von: sanja

    Rosa Gummikühe? :alien:

  4. Kommentar #4 kommt von: Gucky

    Wo sind rosa Gummikühe ? 8O
    Und wo sind eigentlich die ganzen geilen Böcke geblieben die sonst hier immer rumgequakt haben ? :denk:
    Noch nicht mal bei den geilen Montagsgeschichten :yam: sind sie zu finden… :mrgreen:

  5. Kommentar #5 kommt von: Flug

    Guten Tag,

    zum Thema Hexenverbrennung möchte ich Ihnen folgendes mitteilen:
    Gestern lief im ersten deutschen Fernsehen ein erschreckender und sehr grausamer Bericht über Hexerei in Kenia.
    In meinem bisherigen Leben habe ich noch nie gesehen, dass die Medien tatsächlich gezeigt haben, wie jemand hingerichtet wird- bis gestern.
    Im Fernsehen hat man gezeigt wie Dorfbewohner einem kleinen Jungen, durch Sprünge in den Nacken, das Genick gebrochen haben. Ferner zeigte man wie Frauen bei lebendigem Leibe in Feuer geworfen wurden.
    Ich habe noch nie so etwas grausames gesehen.
    Fehlende Bildung und die Erhaltung alter Traditionen sind ausschlaggebend für diese schrecklichen Taten.
    Die Regierung will davon nichts wissen und tut so, als würde es nicht geschehen.
    Zum Glück leben wir in einem aufgeklärten Europa.

    Danke

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Da Du vermutlich keine Ahnung hast, wie Du mir huldigen angemessen Deine Meinung kundtun kannst, weil Du eigentlich gar keine besitzt, gibt es hier ein paar Vorschläge.
Einfach draufklicken, bestätigen und das war's. Akrobatische Hirnverrenkung, ja womöglich Schlagfertigkeit oder sogar Nachdenken sind hiermit überflüssig.


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