Man muss auch mal essen

Categories: Allgemeines
Written By: Katja

Ab und an empfiehlt es sich ja, aktive Nahrungsaufnahme zu betreiben. Dazu haben die Lebensmittelindustrie und Gott eine Reihe von Produkten erschaffen, die uns diese alltägliche Last erleichtern sollen. Die Vielfalt dieser Nahrungsmittel ermöglicht uns die kreative Kombination, weshalb über die Jahrtausende Berufe wie Maître de Cuisine, Chef Tournant, Chef de Partie, Pâtissier usw. entstanden sind.

Ich bin nichts von alledem, kann aber trotzdem - wie jeder Mensch und jedes Alien - kochen1 . Auch wenn Denis diesbezüglich ganz zaghaft angefragt hat, wohl in der Annahme, wer gerne fickt horizontale Leibesertüchtigung betreibt, braucht sonst nichts weiter. Essen sowieso nicht. Und folglich muss er auch nicht kochen können.

Das ist natürlich ganz falsch. Trotzdem bekam ich sein Kochstöckchen nicht direkt, sondern über die liebe Julia, die mir anscheinend zutraut, daß ich nicht nur essen, sondern es auch zubereiten kann.

Naja, wir werden sehen. Bis jetzt habe ich erst 23 Personen vergiftet. Und sie alle leben noch! Das soll mir bitte mal einer nachmachen!

Sehen wir uns zunächst die Zutatenliste an. Vorgabe ist, eine Zutat davon auszutauschen und anschließend aus dem ganzen Zeugs etwas zu zaubern, was man mittels Mund aufnehmen und mittels Magen (theoretisch) verdauen kann.

Die durchgestrichenen Zutaten wurden bereits von Caesar und Julia ausgetauscht:

  • Kartoffeln
  • Speck Mozzarella
  • Eier
  • Putenbrust
  • Zitronen
  • Erdbeeren Paprika
  • Brötchen/Semmeln

Ich tausche den Mozarella gegen (eingelegten) Fetakäse. Folgendes werde ich zubereiten:

Vorspeise:

Paprikaschiffchen mit Feta-Füllung und Knoblauchbrötchen
Die Paprikaschoten (es sollten schon mehr sein, wenn man z.B. Gäste einlädt. Außer man steht drauf, Essensgekloppe und futterneidiges Verhalten zu studieren.) werden halbiert und von den lustigen Kernen befreit. Sie werden fett (im wahrsten Sinne) mit Olivenöl eingepinselt und mit haufenweise gehacktem Knoblauch bestückt.2 Ein bißchen Salz schadet auch nicht. Wir denken mal nicht an Koronarverengung, sondern an Genuß. Der Fetakäse wird zermanscht oder zerbröckelt und in die Hälften gepampt. Ich nehme dazu den eingelegten, z.B. vom Türken oder von Patros. Letzerer ist in normalem Öl eingelegt, was ich jetzt nicht so lecker wie Olivenöl finde, weshalb ich die Schoten auch extra nochmal damit eingeölt habe. Das ganze kommt bei 180° für 10 Minuten in den Backofen. Oder länger. Muss man gucken. Wird die Paprika außen schwarz, ist das nicht schlimm. Kann man abpellen.

Die Brötchen schneide ich in hauchdünne Scheiben, bestreiche sie ebenfalls mit Olivenöl und belege sie mit Knoblauchscheibchen. Man kann sie in der Pfanne, auf einem Elektrogrill oder auch im Backofen rösten.

Zusammen mit den Paprikahälften werden sie auf einem Teller angerichtet und sodann den Gästen vorgesetzt, die sich erst wieder erheben dürfen, wenn sie alles aufgegessen haben.

Hauptgang:

Gefüllte Putenbrust mit Kartoffeln aus dem Römertopf
Die Putenbrust längs aufschneiden und ein wenig - sanft - klopfen. Salz und Pfeffer sind nie verkehrt und kommen auch hier zum Einsatz. Fetakäse zerbröckeln, die Brust sinnliche damit bestreichen und massieren. Sie wird jetzt aufgerollt und dann entweder verschnürt (wer Bondage mag, wird dies preferieren) oder mit netten pieksigen Zahnstochern genagelt (hier kommen die Piercingfans auf ihre Kosten). Das Fleischpaket wird nun in einem Bräter oder hohen Topf erst einmal scharf angebraten, dann wird Brühe und oder Wein zugegossen und alles langsam geschmort (40 Minuten, kleine Flamme). Wir wollen uns Zeit lassen mit den schönen Dingen, nicht?

Die Kartoffeln sollten Bioqualität haben. Weil wir sie mit Schale verzehren wollen. Kleinere Kaliber sind in diesem Fall außerdem von Vorteil. Sie werden gewaschen und zusammen mit Butter, Rosmarin und Knoblauch in den (gewässerten) Römertopf gegeben. Der Römertopf ist eine fantastische Sache, weil er die Kartoffeln so gart, daß sie nach Kartoffeln schmecken. Einmal auf diese Weise verzehrt, mag man es echt nicht mehr anders haben. Also genau so wie mit gutem Sex!
Der Römertopf kommt in den kalten Backofen, auf ca. 200 Grad drehen und eine Stunde garen lassen. (Für die Zeitmanager: Erst die Kartoffeln, dann die Paprika der Vorspeise im Ofen brutzeln lassen). Die Kartoffeln im Römertopf können ruhig eine halbe Stunde ruhen. Das stört nicht. Sie bleiben warm, solange man den Deckel nicht öffnet.

Wer tatsächlich zu den armen Menschen gehört, die KEINEN Römertopf besitzen: Naja, dann müssen es halt Pellkartoffeln sein…

Die Putenbrust wird in Scheiben geschnitten und mit den Kartoffeln angerichtet. Aus dem Schmorsud lässt sich eine leckere Soße zaubern. Mit Mondamin oder Mehl einfach ein wenig andicken und ein Löffelchen oder mehr über den Teller gießen.

Dessert:

Zitroneneis mit kandierter Pfefferminze.
Da ich glückliche Besitzerin einer Eismaschine bin (Spül- UND Eismaschine, mein Schatz! Ich bin eine Traumfrau!), geht das recht ratzfatz.

Zuerst kandieren wir das Grünzeugs. Pfefferminze ist quasi Unkraut (solltest Du einen Garten haben, in dem das Kraut wächst, weißt Du, was ich meine), daher zähle ich sie zu den alltäglichen Dingen. Man kann das ganze Minzgedöhns auch weglassen. Mögen eh viele nicht.

Wie überall, spielt auch hier die Größe eine entscheidende Rolle. Achte daher auf pralle, überdurchschnittliche Minzblättern. Hast Du, wie im wirklichen Leben, nur Kleinkram zur Hand, macht das nix. Dann kandieren wir den ganzen Zweig. Erst trennen wir das Ei. Und zwar nicht den Inhalt von der Schale, sondern das rotzähnliche Dingens von dem Gelben vom Ei. Das geht super mit einem professionellen Eitrenner3. Jetzt nehmen wir den durchsichtigen Glibber und geben ihm das, was er verdient hat! Also immer fest zuschlagen, aber nicht so sehr, daß er steif wird (wir wollen ihm nicht zu viel Freude gönnen!).
Wir tauchen jetzt die Minzblätter oder Zweige tief in den Schleim ein und wälzen sie dann sofort in Zucker. Das Klebzeugs kannst Du lufttrocknen lassen. Ich schieb es auf nem mit Backpapier ausgelegtem Blech bei 50° für ein paar Minuten in den Ofen. Ich hab’s nämlich nicht so mir rohem Eizeugs.

Daher kommt mein Eis auch ohne Salmonellenschleuder aus:

Ich schütte eine Packung Schlagsahne (250 ml) in meinen super tollen DDR-Handrührer, der mir daraus innerhalb kürzester Zeit und mit mäßigem Kraftaufwand halbsteife Sahne macht4. Aus 150 ml Wasser, dem Saft von 5 Zitronen und unglaublichen 150 g Zucker matsche ich eine Pampe, die ich wild verrühre, bis es so aussieht, als sei der Zucker aufgelöst. Das klebrige Zeug kommt in die Sahne und dann wird alles nochmal ausgiebig vermengt. Diesen Glibber gieße ich in die Eismaschine und nach 25 Minuten habe ich fantastisches Zitroneneis.

Wer nicht, so wie ich, Schlagsahne zu den alltäglichen Sexspielsachen Lebensmitteln zählt, kann auch statt Sahne und Wasser 400 ml Milch nehmen. Schmeckt auch. Ohne Eismaschine muss man das Zeugs alle 10 Minuten über Stunden aus dem Gefrierschrank holen und umrühren, sonst wird es klumpig und kristallig. Das ist öde und nervt. In dem Fall empfehle ich fertig gekauftes Eis.

Das Zitroneneis wird nun auf Tellern angerichtet und mit den kandierten Minzblättern garniert. Wer mag, kann sich künstlerisch verausgaben. Z.B. mit Schokosoßengitter oder solchen Schnickschnack.

So, ich hab jetzt Hunger…

Ich werfe das Stöckchen an Jenni und das Schaezle weiter. Mal sehen, was die Leckeres fabrizieren…

Dinnerbild von flickr.com.


  1. Im Sinne von Wasser erhitzen. []
  2. Wenn schon stinken, dann bitte richtig. []
  3. Sowas gibt’s! Ich besitze selbst so einen. []
  4. Dieses Rezept zollt, wie Du siehst, allen von Potenzschwierigkeiten geplagten Respekt! Auch halbsteif bringt Genuss. Jedenfalls oral. Und auch nur bezogen auf’s Essen. Aber wir wollen ja nicht kleinlich werden []
Der Beitrag hat kein Tag.

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7 Kommentare zu “Man muss auch mal essen”

  1. Kommentar #1 kommt von: juliaL49

    Wow, das hört sich alles sehr professionell an! (prof. in jeder Hinsicht) Und sehr, sehr lecker; ich hab jetzt auch Hunger!
    Es scheint, dass du dich in allen Bereichen des täglichen Lebens mit Accessoires auskennst….

  2. Kommentar #2 kommt von: Reizzentrum

    Noch ein Grund festzustellen, dass ich genau die richtige Frau an meiner Seite habe :)))

  3. Kommentar #3 kommt von: caesar

    Das ist ja richtig aufwändig. Respekt für diese vielen tollen Ideen!

  4. Kommentar #4 kommt von: Denis

    Würdevoll und angemessen.

  5. Kommentar #5 kommt von: trommelschlumpf

    Römertopf.. Pöööh! Gute Sachen kocht man im Wok. So! ;) (Liegt mir am meisten. ;) Und macht ausserdem nicht so viel Abwasch)

    Klingt trotzdem sehr yum yum! Da meine langhaarigere Hälfte allerdings Knobi gar fürchterlich findet, müsste ich bei der Vorspeise etwas variieren. Aber ansonsten… Mampf! :D

  6. Kommentar #6 kommt von: Katja

    @julia49: Danke Dir. Besonders die Paprikahälften kann ich total empfehlen, weil man dazu eigentlich nichts besonderes können muss und sie wirklich immer gelingen. Sie sind auf Partys willkommenes Fingerfood und bei Gästen eine echt beliebte und mittlerweile auch bewährte Vorspeise. :)

    @Reizzentrum: Für Dich, mein Schatz, koche ich zusätzlich noch mit Liebe… :D

    @Caesar: Danke schön :)

    @Denis: Wie es das Stöckchen verdient.

    @trommelschlumpf: Römertopf und Wok kannst Du nicht vergleichen, da beide völlig unterschiedlich funktionieren. Der Römertopf basiert auf dem Prinzip, z.B. Fleisch in Lehm einzuhüllen und dann auszubacken. Es gart im eigenen Saft und schmeckt dadurch sehr intensiv. Der Wok ist eine überdimensionale Pfanne, die durch den ansteigenden Rand verschiedene Temperaturstufen zulässt, was man beim Braten ganz gut nutzen kann. Der Wok ist für alles, was schnell gebraten werden kann, der Römertopf ist genau für solche Lebensmittel gedacht, die eine lange Garzeit haben.

    Beides zu besitzen ist fantastisch! :) Allerdings weiß ich gar nicht, ob es noch Römertöpfe gibt. Ich hab meinen von meinen Eltern, die ganz im Trend der 70er Jahre gleich 3 Römertöpfe gekauft haben (klein, groß, Fisch). Einen haben sie dann mir überlassen.

    Knoblauch ist für obiges Gericht kein Muss. Schmeckt auch ohne. :-)

  7. Kommentar #7 kommt von: schaezle

    wie was? ich? hilfe. ich muss das morgen nochmal genauer lesen^^

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