Von Pizzafelgen und Alkoholproblemen

Categories: Katja
Written By: Katja

drugs.pngJa, nicht daß Du jetzt gleich in Panik ausbrichst, weil Du das arme blonde Alien in einem permanenten Rausch oder noch schlimmer in dramatischer Suchtgefahr wähnst. Und nicht daß Du Dir jetzt denkst, hui, ich wußte es ja schon immer, DAS erklärt so vieles. Aber nein, keine Sorge, ich bin WIRKLICH nicht empfänglich für Drogen jeglicher Art1 .

Trotzdem, ich werde heute mal wieder Alkohol konsumieren. Mittlerweile kommt es beängstigend regelmäßig zu dieser Ausnahmesituation. Also, weniger problematisch ist das Saufen Trinken, das sich bei mir ja absolut in Grenzen hält2 . Abgesehen davon bin ich kein reiches Schulkind mehr und auch kein reicher Student, sondern muss von den paar Kröten, die ich verdiene so langweilige und unlustige Dinge wie Miete oder Strom bezahlen. Insofern kann ich mir mehr als drei Bier gar nicht leisten. Es sei denn, ich möchte wieder einmal eine Woche ohne Elektrizität erleben. Back to the roots usw. Hatten wir ja alle schon einmal.

Kann natürlich vorkommen, daß mir eine kanadische Eishockeymannschaft über den Weg läuft. Dann kehrt sich alles ins Gegenteil um und ich lande morgens um halb 4 mit einer mittelschweren Alkoholvergiftung im Bett. Alleine versteht sich. Ab drei Promille wäre denn auch Ficken kein Vergnügen mehr. Nicht mal mit kanadischen Eishockeyspielern.

Obwohl ich also prinzipiell noch leicht arm bin und kaum Alkohol trinke, gehe ich in die Welt und bezahle für Alkohol. Irgendwie komisch, aber so weit so gut. Ich habe so etwas wie ein normales Leben. Also ein Leben mit realen Personen um mich. Real im Sinne von anfassbar. Denn ich habe selbstverständlich Freunde, mit denen ich quatsche und viel Zeit verbringe. Nur kann ich bei denen nicht eben mal vorbeifahren oder mich spontan für’s Kino verabreden3 .

Noch vor einem Jahr hatte ich gar kein soziales Leben. Ich hatte streckenweise am 15. des Monats nicht mal die Kohle um mir eine Briefmarke zu kaufen, die ich auf ein Schreiben des Jobcenters hätte kleben müssen. Freunde hatte ich so gut wie keine mehr. Ich habe wohl ein paar mal zu oft Treffen abgesagt und irgendwann war ich dann vermutlich auch nicht mehr gesellschaftsfähig. Man wird nämlich wunderlich, wenn man arm ist.

Das erinnert mich übrigens an die Geschichte mit den essbaren Felgen. Bzw. genaugenommen erinnerte mich meine liebe Kollegin, deren Namen ich nicht nennen werde, die aber die phantastische und bemerkenswerte Gabe besitzt, die Dunkelheit strahlend zu erhellen4 , an jene Begebenheit von vor ca. 2 Jahren. Damals quälte mich nicht nur die Armut, sondern auch der Hunger. Der Winter klang gerade aus, unser Garten lag brach, außer Löwenzahn und Feldsalat fand sich dort nichts essbares. Und falls Du das jetzt für übertrieben hältst: Nein, ich schmücke nichts aus.
Jedenfalls erinnere ich mich gut daran, daß ich mit knurrendem Magen durch unsere Wohngegend schlich, die hauptsächlich wohlhabenden Spießbürgern heimstatt bietet. Ich sah ein teures Auto nach dem anderen. Sie parkten am Straßenrand und ich dachte so bei mir: Mein Gott, von diesem Rückspiegel könnte ich mir Essen für eine Woche kaufen. Hej, diese Felgen könnten mich einen Monat versorgen, womöglich sogar mit Fleisch! Und so hatte ich schon fast eine Vision. Die Vision von Pizzafelgen und Brathuhnautos, von Wurstantennen und knusprigen Salzstangenscheibenwischern.

Aber darauf wollte ich ja gar nicht hinaus. Ich wollte nur kundtun, daß ich es unglaublich fantastisch finde, daß ich tatsächlich wieder an Orten zu finden bin, deren Besuch für gewöhnlich mit Geld verbunden ist UND, als wäre das nicht Glück genug, ich auch noch eine menschliche Begleitung bei mir habe.

Fuck, das is doch echt ne gute Sache!


  1. Ausnahme: rosa Gummikühe []
  2. 3 Bier und ich bin hackedicht. []
  3. Was Raum für weitreichende Spekulationen lässt *lol*. []
  4. Versuch gar nicht erst, das zu interpretieren. Es ist nämlich wortwörtlich zu verstehen. []
Der Beitrag hat kein Tag.

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6 Kommentare zu “Von Pizzafelgen und Alkoholproblemen”

  1. Kommentar #1 kommt von: kal

    Unter solchen Umständen lernt man die wesentlichen und einfachen Dinge zu schätzen, über die wir später nur allzuoft mit aller Selbstverständlichkeit hinweg trampeln, wohlwissend, das eben genau diese Dinge eben nicht immer selbstverständlich sind. Oder so ähnlich… :-)

  2. Kommentar #2 kommt von: bone

    Echt ma, keine Kohle, nix zu Essen und vielleicht sogar kein Dach überm kopf….

    Viele machen sich gar keinen Kopp drüber, wie wertvoll die eigentlich “selbstverständlichen” Dinge sind.

    Als Frühermalarmer und inzwischen zu den “working poor” zählenden Zeitgenossen weiß ich ein Lied davon zu trällern. Zum Glück ist dein erfrischendes Blog kostenlos :-*

    Gruß
    Bone

  3. Kommentar #3 kommt von: tobi

    lass uns jemanden besorgen der das zeichnen kann - alles an einem einzigen auto! ;)

  4. Kommentar #4 kommt von: Hint

    Ich kenne so finstere Zeiten zur Genüge und freue mich mit Dir, dass Du wieder auf Richtung Sonnenseite bist!
    Aber wo sind die Zöpfchen-Fotos?
    ;-)

  5. Kommentar #5 kommt von: Gucky

    Aber auch Katjas (und andere Blogs) sind nicht kostenlos zu betrachten. Doch.. die Blogs als solches schon, aber man muß irgenwie Zugang zum Internet haben, dazu natürlich einen Computer und wenn man nicht noch einen funktionsfähigen hat, wird es schlecht, einen neu kaufen zu müssen!
    Ich habe das gerade gehabt und zum Glück noch einen alten Laptop und ein Modem liegen gehabt um wenigstens E-Mail abzuholen und das Nötigste im Netz zu machen.
    Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich mir mir wieder einen ganz einfachen Rechner ohne Betriebssystem kaufen konnte.
    Satt essen habe ich mir schon lange “abgeschminkt” und wenn ich nicht liebe Freunde hätte, wo ich ab und zu mal eine richtige Mahlzeit bekäme, dann würde ich wahrscheinlch auch Gras und Löwenzahn “fressen”… :-)
    Aber ich kann mir überlegen, ob ich das Geld für den DSL-Zugang für Essen verwende und “verblöde” oder lieber doch auf das Eine oder Andere verzichte.
    Auf jeden Fall freue ich mich, daß Katja etwas aus dem “Loch” raus ist, obwohl ich denke, sie wird auch nicht leistungsgerecht bezahlt.

  6. Kommentar #6 kommt von: Katja

    @kal und @bone: Genau so ist es. Als ich (nach gut einem Jahr ohne Krankenversicherung, trotz Arbeit übrigens, nur war das “freiberuflich”) meine AOK-Karte bekam, hab ich einen Freudentanz aufgeführt. Krankenversichert sein! Was für ein Luxus. Jetzt ist das selbstverständlich auch für mich ganz normal. Trotzdem weiß ich Dinge, wie diese mittlerweile sehr zu schätzen.

    Aber, auch das muß man mal sagen, es gibt nicht nur negative Erfahrungen in der Armut, ua lernt man, daß es auch Menschen gibt, die wirklich helfen, und dabei manchmal sogar gegen Regeln verstoßen. (M)ein Arzt z.B., der mich auf die Karte meiner Schwester behandelt hat oder manchmal auch komplett umsonst, eine Mitarbeiterin im Jobcenter, die mich mal privat angerufen hat, um mir einen Trick zu verraten, wie ich leichter etwas durchsetzen kann. Ein Mitarbeiter, der mich als Mensch behandelt hat und mir tatsächlich Arbeit vermittet hat, eine Freundin ohne herablassende Fragen, die einfach mit einer Einkaufstüte voll Lebensmittel ankam und immer wieder mein Vater, der mir mal den gekappten Strom, mal das gesperrte Telefon wieder zugänglich gemacht hat.
    Ohne die Hilfe dieser Personen, ach herrje, womöglich wäre ich gesprungen, als ich damals am Abgrund stand.

    @tobi: *lol* Wobei ich ja in meiner Beschreibung und besonders in den Gelüsten recht bescheiden geblieben bin. Angesichts der Karren, die da draußen rumfahren, hätte meine Halluzination eigentlich aus Hummer, Kaviar, Austern, Kobe-Rind usw. bestehen müssen^^.

    @Hint: Jaja, auf die Zöpfchenbilder werd ich jetzt festgenagelt. Ts^^.

    @Gucky: Oja, das ist ein wichtiger Punkt. Selbstverständlich kann man als armer Mensch auch nichts konsumieren. Ich kenne das genau so. 10-jährige Schüler haben ein Equipment, daß man bleich vor Neid wird, während man selbst Einzelteile sammelt, ausbaut, wiederverwertet usw. Ich habe dazu noch studiert, ich brauchte das Ding, schlimmer, ich brauchte eigentliche ein richtig aktuelles und schnelles System. Aber ein Rechner gilt als Luxus, ist kein must-have. Und wie Du sagst, dann wird halt auf Essen verzichtet, auf die ÖPNV, auf Kleidung usw. Verzichtet, nicht eingeschränkt. Ich sags nur dazu. Du weißt, was ich meine, aber die meisten werden das gar nicht verstehen können.

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Da Du vermutlich keine Ahnung hast, wie Du mir huldigen angemessen Deine Meinung kundtun kannst, weil Du eigentlich gar keine besitzt, gibt es hier ein paar Vorschläge.
Einfach draufklicken, bestätigen und das war's. Akrobatische Hirnverrenkung, ja womöglich Schlagfertigkeit oder sogar Nachdenken sind hiermit überflüssig.


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